Unsere Besen und Bürsten werden ihrem Zweck entsprechend mit verschiedenen Einzugsstoffen gefertigt.  Bei den meisten unserer Einzugsstoffe handelt es sich um Naturmaterialien wie Fibre, Bassine, Piassava, Arenga und Kokos. Diese Materialen werden aus Palmfasern gewonnen. Je nach Verwendung werden sie auch untereinander gemischt, Union ist eine Mischung aus Fibre und Bassine. Weiterhin verwenden wir Rosshaar, Borsten und Ziegenhaar. Aber auch Kunstfasern wie Nylon, PVC und PPN werden eingebracht und sind z. B. bei der Herstellung von Hygieneartikeln unabdingbar.

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Faserstoffe

Arenga

Arenga ist eine mittelharte bis feine Faser die von der Arenga Palme, die hauptsächlich auf den Sundainseln vorkommt, gewonnen wird. Je länger die Faser im Naturzustand ist, je höher ist die Qualität. Die Faser zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie wenig Feuchtigkeit aufnimmt. Sie ist beständig gegen Wasser, Öle, Benzine etc. Daher eignet sie sich vortrefflich für die Besen, Handfeger und Bürsten die in mittelschwerem Kehricht erstaunlich hohe Leistungen und Kehreigenschaft zu Wege bringen. Die Borste lässt sich im verarbeitetem Zustand fast voll abnutzen, da sie immer wieder den Drang hat, sich voll aufzurichten. Für Feinstaub ist sie allerdings nicht geeignet.

Borsten

Unter Borsten versteht man die Haare von Schweinen. Während die mitteleuropäischen Borsten relativ kurz und von weicher Qualität sind, sind die osteuropäischen Borsten länger und von hoher Widerstandskraft. Die besten Borsten sind schwarz und kommen aus China. Sie werden gehandelt unter der Bezeichnung „Chungking“. Weitere gute Borsten, grau millierte, sind Kalkuttaborsten. Beste weiße Borsten sind ebenfalls Chungking oder russischer Gorstok. Borsten finden Verarbeitung in qualitativ hochstehenden Bürsten (Kleiderbürsten, Hutbürsten, Pferdekardätschen, Polsterbürsten, hochwertigen Besen, Brotstreichern etc.) Außerdem hauptsächlich in Pinseln. Bei der Malerqualität kommen nur lange sehr auslaufende Borsten zur Verwendung. Mindere und weichere Borsten werden verwandt für Haushaltspinsel und gedrehte Bürsten.

Fiber / Fibre

Fiber / Fibre sind Blatt Rippenfasern aus den dickfleischigen Blättern von Agaven und Ananasgewächsen. Beide Pflanzen kommen in Mittelamerika, hauptsächlich in Mexiko vor. Das Blattfleisch wird entfernt und die Fasern getrocknet, gebleicht und gekämmt. Sie sind gelblichweiß, einzelne auch mit grünlichem Schimmer. Die Fasern sind ähnlich wie Haare oder Borsten konisch, d.h., an den Stellen an der sie aus dem Hauptstängel des Blattes wachsen am stärksten und voluminösten. Deshalb ist dieser Bereich auch der strapazierfähigste. Fiber wird alleine verarbeitet und hat eine gute Scheuereigenschaft. Ist allerdings nicht für starken Schmutz geeignet, es sei denn es wird mit anderen Materialien, die zur Stabilisierung eingesetzt werden vermischt. Mischungen mit Bassine nennt man Union. Es sind auch Mischungen mit Nylon oder Reiswurzeln sowie mit Arenga üblich. Bei Bürsten und Besen die einen feinen Charakter in Gebrauch haben müssen, wird auch Fibre verarbeitet, jedoch muss dann das Material in größeren Längen in die Bürste eingebracht werden. Fibre Bürsten können feucht und nass genutzt werden, solange sie nicht einem starken Druck ausgesetzt sind. Beim Trocknen der Faser in der Bürste richtet sich die Faser wieder in einen geraden Zustand zurück.

Kokos

Kokos ist die Fruchtfaser der Kokosnuss. Sie umhüllt den eigentlichen Nusskern und liegt zwischen diesem und der Außenschale der Kokosnuss. Von Natur aus dient Sie als Puffer und verhindert das Zerbersten der eigentlichen Kokosnuss beim Herabfallen von der Kokospalme.
Um an den Kokoskern heranzukommen wird die Schale aufgebrochen und die Kokosfaser gewonnen. Sie ist zum großen Teil auch mit der Schale verbunden. Deshalb wird das ganze zuerst einer Gärung unterworfen und dann gekämmt und gehechelt. So entsteht je nach Größe der Nuss eine Faser von 30 bis 40 cm Länge. Sie sind nicht gleichmäßig stark. Die Hauptstärke liegt in der Mitte der Faser. Je länger insgesamt die Faser ist, je höher ist die Qualität, gemessen an der Kehreigenschaft. Kokosfaser wird in der Hauptsache für einfache Besen und Handfeger verwandt. Sie ist sehr wasserempfindlich, da die Faser sehr stark saugt. Deshalb dürfen Besen, Handfeger und Bürsten aus diesem Material nicht mit Feuchtigkeit in Verbindung kommen. Die Faser richtet sich nach Einfluss von Wasser nicht mehr vollständig auf. Wegen der minderen Kehreigenschaft wird Kokos heute vielfach nicht mehr eingesetzt. Wesentlich bessere Kehreigenschaften haben Arenga oder fein gewellter Kunststoff. Geringe Kokos-Qualität und Wirrfasern werden gesponnen und zu Tauen und Matten verarbeitet.

Nylon

Nylon ist eine Kunstfaser deren Grundstoffe aus Steinkohlenteer gewonnen werden. Dieses Material wird in verschiedenen Qualitäten hergestellt die entsprechende Bezeichnungen haben. Die Arten richten sich nach den Notwendigkeiten der Verwendung. Besonders geeignet für den Bürstenbereich ist die Qualität 6.6 oder 6.12. Der Hauptunterschied dieser beiden Materialien liegt in der Wasseraufnahme. Bei Sättigung nimmt 6.12 nur 3 % und 6.6  8 % Wasser auf. Beide sind beständig gegen kochendes Wasser und erreichen erst eine Verformung bei 140°C. Die Dauertemperatur darf bis zu 100°C haben; d.h. beide Materialien eignen sich zur Reinigung bei üblichen Gebrauchstemperaturen. Nylon ist eine Kunstfaser mit hoher Abriebfestigkeit, die auch in intensiver Verbindung mit Wasser nur geringen Steifigkeitsverlust hat. Je höher die Wassertemperatur ist nimmt natürlich die Biegsamkeit zu, wobei die Borste als solche stabil bleibt. Nylon ist biologisch unbedenklich und gegen die meisten Laugen und Säuren beständig, ausgenommen Phosphor-, Salpeter, Salz- und Schwefelsäure sowie Wasserstoffsuperoxid. Verwendung findet Nylon bei techn. Bürsten und Walzen besonders  solche die intensiv mit Wasser in Verbindung kommen, sowie Hauhalts- und Körperpflegebürsten. Ganz besondere Verwendung findet Nylon bei Hygiene-Bürsten, da diese sogar ausgekocht werden können.

Piassava

Piassava sind Blattfasern verschiedener Palmenarten die in der Hauptsache in Afrika vorkommen. Man unterscheidet verschiedene Qualitäten. Diese richten sich nach zäh – hart und elastisch von hell bis dunkelbrauner Farbe. Die beste Qualität ist Para Piassava. Verarbeitet wird Pisssava meist als drittel Mischung Para- und Afrikapiassava, mit Bassine oder bessere Mischung mit Einbindung von Bahia. Aus Piassava werden hauptsächlich Straßenbesen und Kehrwalzen gefertigt.

PPN

PPN ist biologisch unbedenklich. Die Verformungstemperatur liegt bei 120° und die Dauerbeanspruchung bei ca. 80° C. PPN hat eine enorme Abriebfestigkeit und ist im wesentlichen säurebeständig. PPN kann fast für alle Besen und Bürsten verwandt werden, je nach Stärke und Wellung der Borste. In der Hauptsache wird PPN für Straßen- und Großraumbesen verwandt.

PVC

PVC ist eine ähnliche Borste wie Nylon. Hier ist ganz entscheidend, dass die Borste keine große Abriebfestigkeit hat und höchstens eine Temperatur bis 65° C aushält. PVC eignet sich zur Herstellung von Straßen- und Großraumbesen; hat aber den Nachteil, dass es sehr elastisch ist und dadurch etwas spritzt.

Reisstroh

Reisstroh ist nicht wie unser Getreidestroh innen hohl sondern eine Vollfaser. Es wird zu Teppichbesen verarbeitet. Ähnlich wie Reisstroh verhält sich die Stengelfaser der Sorghumhirse. Deshalb gibt es die Doppelbezeichnung; sowohl Reisstroh- als auch Sorghobesen. Diese kommen zum Einsatz als Teppichbesen oder als Besen für leichten Kehricht. (Verwendung hauptsächlich im Süden unserer Republik). Vielfache Verwendung bei der Pferdehaltung. Die besten Besen dieser Art werden in Ungarn produziert.

Reiswurzel

Reiswurzel ist ein kräftiges etwas gewelltes Material, dass aus dem Boden gezogen wird. Die beste Reiswurzel kommt in Italien vor. Die Wurzel wird von der braunen Rinde befreit, gebleicht und geschwefelt, dadurch hat sie eine gelbe Färbung. Sie ist von der Gewinnung her sehr aufwendig und daher bei bester Qualität relativ teuer. Verwendung findet auch die Wurzel eines in Mexiko vorkommenden Unkrautes, dass der Reiswurzel ähnlich sieht. Die Stabilität dieses Ersatzes ist jedoch wesentlich geringer. Reiswurzeln werden in der Hauptsache zur Verarbeitung von Schrubbern, Bürsten und Besen verwandt, die sehr stark strapaziert werden. Um die Scheuerkraft zu erhöhen, kann man auch Reiswurzeln mit Fibre mischen, dadurch werden die Bürsten allerdings neben der Elastizität auch weicher. Ein Einmischen von Nylon erhöht  allerdings wieder die Stabilität.

Rosshaar

Rosshaar ist ein natürliches Tierprodukt und wird für die Besen- und Bürstenherstellung aus dem Langhaar von Pferderassen gewonnen. Die besseren Qualitäten kommen aus dem Schweifhaar, mindere aus den Mähnen. Die Haare haben eine konische Form. Am stabilsten und härtesten sind sie an der Wurzel. Dieser Teil der Haare wird hauptsächlich für gute Bürsten wie Schuhbürsten verwandt, können aber auch eingesetzt werden für günstige Kleider- und Hutbürsten sowie für Walzen und Polierbürsten. Aus dem restlichen Schweifhaar werden hochwertige Haarbesen und Handfeger hergestellt. Das Schweifhaar hat die Eigenschaft sich nach dem Kehren wieder aufzurichten. Die besten Qualitäten kommen von nordischen Tieren. Mähnenhaar ist weicher und hat geringere Elastizität, deshalb wird es oftmals mit Kunsthaar oder Kuhhaar gemischt. Es kann aber nie die Qualität und Kehreigenschaft von Schweifhaar erreichen. Ein Rosshaarbesen ist zwar hoch elastisch, hat aber trotzdem die Eigenschaft auch den feinsten Staub, nicht wie Kunstfaser, zu spritzen und zu wirbeln. Das Rosshaar hält den Kehricht am Boden. Durch seine natürliche Feinheit erreicht man staubfreie Flächen.

Unionfiber/Union

Unionfiber/Union wie schon erwähnt, ist für manche Bürstensorten die Verarbeitung von purem Fiber zu weich, deshalb entstehen Mischungen wie schon vorher abgehandelt. Hauptsächliche Mischung ist Fiber mit Bassine gleich Union.

Ziegenhaar

Das zu Bürsten verarbeitete Ziegenhaar kommt aus China und ist überaus weich. Vorwiegend wird weißes Material verwandt; selten auch Schwarzes. Europäisches Ziegenhaar kann wegen der nicht genügenden Länge und der mangelnden Feinheit nicht verwendet werden. Das chinesische Naturprodukt ist der Besatzstoff für Möbelstaubbürsten, Zeichentischhandfeger, Baby-Bürsten, Schminkpinsel und Polierscheiben.

© Schweizerische Blinden- und Sehbehinderten Werkstatt, Switzerland.

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